IN SEARCH OF… Holbox, Mexiko – TAG 2

Maria, die schnellste Ratte von Berlin, hat sich im Morgengrauen der US-Wahl in Richtung Mexiko aus dem Staub gemacht. Genauer gesagt, nach Holbox, einer übertriebenen Sehnsuchtsinsel, nördlich von Cancun. So schräg der Name (Holbox), so schön ist es da dann wohl auch. Maria guckt zumindest gerade genau nach und versorgt uns täglich mit ihrer Sicht der Dinge. Hier gibt’s Marias Berichte zu Tag 1, Tag 3 und Tag 4.

Wer will, kann sich auf IN SEARCH OF Instagram und Marias Instagram bis Montag Stories und Bilder zu den Metathemen Siesta + Fiesta reinziehen.

AN SOPHIA UND KAI:

„Ihr kleinen Mutzelchense,

How to fail in traveling? Nach 48h Stunden (An)Reise und erster Entdeckerei liege ich morgens um 4 Uhr wach im Bett mitten im Paradies – und vergehe vor Heimweh. Ihr verdammten Mistviecher habt mich emotional total abhängig gemacht. Das werde ich euch nie vergeben – in meiner Wahrnehmung bin ich ja überzeugte, unabhängige Weltenbummlerin mit Prädikat Big City Checkertum. NEIN. FAIL! Hier meldet sich eure Dorfpomeranze, die vor Sonnenaufgang noch Pipi inne Augen hat wegen Vermissung. Ich hasse euch. Ich liebe euch.

Naja, so habe ich wenigstens Zeit, meine ersten Eindrücke aufzuschreiben. Der Tag war üüüübelst lang (24+ Stunden), aber ich konnte die Insel wirklich alleine entdecken und für die Zeit bin ich sehr dankbar. In Punkto Größe ist Holbox eine Art Sylt, also in etwa gleich lang, aber schmaler (2KM statt 12KM). Und liegt halt im Karibischen Meer, und ist komplett aus Sand. D.h., alles, was einem zu Sylt sonst so einfällt, vergessen wir schnell mal wieder. Dafür weiß ich jetzt, wie man Holbox ungefähr ausspricht: „Hol-bosh“.

ERSTMAL ANKOMMEN

Frühstück: In die eine Hand gab es frische Früchte, in die andere Hand Hunde zum Anfassen. Unsere Hotelhostseñorita Jessica ist nämlich Tiersammlerin und führt plusminus vier Hunde an. Ihr heimeliges Hotel hat sie „Eidechse“ oder „Leguan“ oder so genannt. Ich weiß jetzt auch, warum. Es raschelte kurz neben mir, ich gucke, und DA war es/sie/es: Ein Echsenvieh, groß wie ein mittelschwerer Dackel, nur in prähistorisch grün, fett am Sonnen in der Sonne. Ich habe ihn Waldi getauft und erstmal angeglotzt. Er glotzte zurück. Kennt das wohl schon. Möchte nicht wissen, wie er mich genannt hat.

Nach dem Frühstück bin ich am Strand erst nach links, dann nach rechts gelaufen. Links gab es viel Sand und eine Menge Wasser. Rechts dann auch, nur ganz weit hinten mit Mangroven als Upgrade. Richtig echte Mangroven mit Naturschutzgebiet und Vögeln und noch mehr Echsen und so. Das Wetter wechselte von leicht bedeckt auf Sonne, und bam! – mehr Ankommen geht nicht. Hier ist es einfach nur sehr, sehr schön. Gerade ist Regenzeit auf Holbox und deshalb nicht so überlaufen. Regenzeit bedeutet hier, dass das Wetter ab und zu mal etwas unruhiger ist aber eher wie ein Schluckauf. Stört null. Im Gegenteil – das Geile ist, dass es nie kalt wird. NIE. NIE. NIE.

Die mexikanische Mutter Natur fährt hier, wie angedeutet, fett auf. Neben dem Echsenallerlei und 3838942309 Streichelhunden soll es hier auch massig Flamingos, Walhaie, Meeresschildkröten und Seekühe geben. Für die Seekuh kann ich selbst sorgen – für das andere Viehzeugs ist gerade allerdings ebenfalls tendenziell off-season, aber ich konnte einen toten Rochen am Strand als Fauna-Sensation mit dem iPhone dokumentieren.

GARFIELD

Nach dem Morgenspaziergang gab es einen kleinen Snack am Strand, wegen Stärkung. Das Gericht der Wahl unseres Reiseleiters: Ceviche. Er hat den fatalen Fehler begangen und mich gefragt, ob ich etwas abhaben will. Ich konnte das entrückte Entsetzen in seinem Gesicht sehen, als sein unfaßbar leckeres Gericht in Sekundenbruchteilen verschwand, aber sorry… ich kann nichts dafür und mein Esstrieb ist bekanntlich stark ausgebildet.

Die anstrengenden Erlebnisse des Vormittages forderten Entspannung: Ich habe eine Massage bekommen. Am ganzen Körper. Jup. Fast eine Stunde lang hat eine ambitionierte Masseurin sämtliche Knoten aus meinem Körper nach traditioneller Maya-Art  rausgeknetet und ich war danach kurz davor, ihr meine ewige Liebe zu gestehen. 

Dann gab es endlich wieder was zu Essen, war ja schon immerhin eine Stunde her. Zu dem Ceviche von vorher habe ich noch etwas Ceviche gepackt, sicher ist sicher. Ganz wichtig hier: SALSA PICANTE. Ohne das geht nichts und ich hoffe, dass man das Zeug im großen Stil nach Deutschland einführen kann. Sosososososo lecker, übelst scharf und fruchtig und würzig und scharf. Ich liebe es!

Im Anschluss habe ich meinem vollgestopftem Körper etwas Bewegung verordnet: Das Echsenhotel bietet die Möglichkeit, Fahrräder (oder das, was davon übrig ist) zu mieten. Nachdem ich das Teil erst einmal mit einigen Tritten repariert habe, ging die Fahrt los. Ab in die Mangroven. Oh ha, ja, Natur. Schön! Nach einer Weile wurde mir klar: Hier wohnen die Mücken. Nach meiner Flucht Richtung Stadt: oh ja, auch schön. Niedlich hier. Ah guck mal, die Kleine fährt ein fett getuntes Golfcart, ah guck mal, ein Pitbull so groß wie eine Kuh, ah guck mal, Touristenkitsch, ah guck mal, Meer und Strand zu beiden Seiten. Schön!

Nach einer Stunde habe ich dann auch fast alles gesehen und mich im Hotel wieder aufs Ohr gehauen. Dafür gibt es hier einen Fachbegriff: Siesta. Ich mag Mexiko.

FIESTA

Nach kurzer Aufrüschung ging es abends zum Holbox Food Festival – der Grund, warum ich überhaupt hier bin. Das Festival stellte sich als Foodmarkt in einem großen weißen Festzelt mit krass genialem mexikanischem Essen heraus. Es gab sowohl Stände aus Holbox, als auch vom Festland, außerdem eine Bühne, auf der ein Tenor italienische Arien geschmettert hat. Tosender Applaus, Ballons mit LED-Boostern, Reden reden reden, mega Stimmung.

Ich durfte alles probieren und habe mit allen Köchen und Köchinnen geschnattert. Fazit: Englisch können nicht viele, aber kochen können sie saumäßig gut. Holbox ist bekannt für seine Langusten und Hummer und entsprechend „schlimm“ war dann auch die Verkostung der regionalen Spezialitäten: Langustenmus mit Käse auf Kräcker, gegrillte Gambas mit Salsa Picante, Hummer mit Kiwidecke… Außerdem gab es noch abgeflippte Variationen wie die Tacokreation eines franco-mexikanischen Pärchens, die Foie Gras auf einen Taco gelegt haben. Göttlich. Wobei ich das Zeug ja sonst nicht esse (Foie Gras), weil wegen der schlimmen Quälerei. 

Nach drei Stunden Hardcore-Futtern haben wir uns auf dem Weg zurück ins Hotel gemacht, wobei sich die Gruppe im Stadtzentrum geteilt hat, und ein Teil auf Party aus war. Ich hatte aber keinen Bock und bin brav in die Heia gegangen. Das Ergebnis haben wir jetzt: 4 Uhr, hellwach… schreibe euch… sehnsuchtsvoll. Ich will trotzdem nicht weg, könnt ihr vergessen! 2,5 Tage in paradise to come.

PS: Ich hoffe, die lassen mich aus unüberlegter Gastfreundschaft noch hinter’s Steuer eines dieser abgeflippten Golfcarts. Die Dinger sind hier hart getuned mit fetten Reifen, fetten Motoren und fetten Stoßstangen zum ungehindert geradeaus fahren.

Muchas gracias Visit Mexiko für’s möglich machen! 💯

Bis morgen, meine kleinen Echsis <3

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Dieser Artikel wurde verfasst von Maria on November 12, 2016