India Club Berlin: Indisches Restaurant in Mitte

Auf der mehrspurigen Straße neben uns brausen die Taxen vorbei, wir können das Brandenburger Tor fast schmecken und gerade hat uns tatsächlich eine Touristin nach dem Weg gefragt. Und hier soll wirklich ein Edelinder sein? Als Berliner*in-an-sich verirrt man sich ja nur äußerst selten in diese Gegend. Das ist allerdings ein Fehler, wie wir an diesem Abend lernen sollen. Oh Vorurteil, du mieses Ding. Es ist nämlich so, dass wir hier inmitten der Touristenhochburg einen richtig tollen Abend hatten. Mit geilem Essen, guten Drinks und super netten Leuten. 

Der India Club Berlin gehört zum berühmten Adlon, welchen wir auf unserem Weg zum Restaurant auch durchqueren müssen. Nicht, weil das nötig wäre, aber wir tragen heute beide unsere guten Schuhe und wollen die ein bisschen rumzeigen. Wir stehen pünktlich um 18:00 Uhr auf der Matte, da ist das Restaurant noch leer und wir haben etwas Gelegenheit, in den edlen Räumlichkeiten rumzutollen. Denn obwohl es sich beim India Club Berlin offensichtlich um ein eher feineres Restaurant handelt, ist der Staff erstaunlich locker und lässt uns einfach mal machen. Wir fühlen uns dann, als wir endlich beide sitzen, wirklich außerordentlich gut umsorgt und irgendwann auch angenehm angetüdelt. Was für ein schöner Abend!

 

Ambiente
Da wir normalerweise eher in Neuköllner Bars abhängen, in denen eine abgerissene Tapete schon als Interior Design gilt, ist das durchgestylte Ambiente hier eine angenehme Abwechslung für unsere entzündeten Augen. Dunkle Mahagoni Möbel, Holzvertäfelungen und gigantische Kronleuchter sorgen für ordentlich‘ Stimmung. Alles ist ein bisschen bunt, aber eben nicht kitschig, es gibt viele lauschige Ecken und die Sessel mit Einmummelkissen sind so urgemütlich, dass wir uns nach dem Essen am liebsten darauf zusammengerollt hätten. 

Service 
Den Service als ausgezeichnet zu betiteln wäre wahrscheinlich maßlos untertrieben. Was will man auch anderes an diesem Ort erwarten? Obwohl hier eine ballettgleiche Kür abgeliefert wird, ist die Stimmung nicht unterkühlt oder eben ZU professionell. Hier ein Witz, da ein Augenzwinkern, alles super. Nee, also echt, kann man nicht meckern. 

Food
Aaaalso, wo wollen wir anfangen. Küchenchef Manish Bahukhandi und sein Team zaubern in traditionellen Tandoori-Öfen nordindische Gerichte mit ordentlich Wumms. Neben einigen Fleischgerichten, bietet die Karte auch eine durchaus akzeptable Auswahl an vegetarischen Gerichten, die auf Wunsch auch veganisiert werden können. 

 

Maria futtert
Indisches Essen in Berlin ist ja so eine Sache: weichgespülte Sahnecurries mit billo-Huhn und ganz viel Käse obendrauf – dafür aber bitte alles schön fad: FERTIG. Hier sieht das anders aus. Die Gerichte hauen dir mit der Würzkeule ordentlich Pfeffer in die Backentaschen und das Feuer lodert in unseren Augen. So unfassbar gut haben wir in Berlin noch nie indisch essen dürfen. Alle Chutneys sind selbst gemacht und überzeugen durch eine breite Geschmacksvielfalt. Sie sind auch gut untereinander mischbar und genau das machen wir auch. Die von mir gewählte Vorspeise, mit Käse überbackener Blumenkohl, hätte auch gut als Hauptgang durchgehen können und war sooo lecker. Ich träume heute noch davon. Als Hauptgang habe ich Garnelen gewählt. Das Gericht unterschied sich von der Größe nicht erheblich von der Vorspeise und war nicht nur hübsch anzusehen, sondern einfach nur bombastisch. Die Stimmung ist super. Sophia und ich lachen und haben richtig Spaß: Wir schäkern mit dem Service, bekommen leckeren Fenchel in die Jackentaschen gestopft und verlassen mehr als glücklich das Restaurant. Der Laden hat uns definitiv nicht das letzte Mal gesehen und ich rolle glücklich und zufrieden nach Hause.

Sophia hat eine Meinung
Man reiche mir die Jogginghose! Man könnte sagen, meine Angst vor piekfeinen Etablissements ist beinahe überwunden. Auch, wenn ich mich beim Betreten eher gehobenen Restaurants immer etwas einschüchtere, so fühle ich mich hier nach gefühlten 20 Sekunden pudelwohl. Das liegt an dem netten Staff und der kuscheligen Atmo. Ich brauche Flausch, um ich wohl zu fühlen! Meine Frage, ob es auch vegane Gerichte gibt, wird nicht wie üblich mit einem verunsicherten „äääh, also wir haben Fisch“ beantwortet, sondern völlig unbeeindruckt bejaht. Das Gericht ginge auch in vegan, das da auch, jaa genau das Ghee lassen sie dann weg, ja alles kein Problem, ich empfehle das Gericht, das ist besonders lecker. Weil ich Curries über alles liebe, bestelle ich als Vorspeise und als Hauptgang jeweils ein Curry. Gönnung! Ich möchte ehrlich sein, ich erwarte nicht viel, denn die Erfahrung hat gezeigt, dass Restaurants die veganen Versionen ihrer Standardgerichte oft schlichtweg verhauen und man dann einen geschmacksneutralen Klumpen irgendwas runterwürgen muss. Hier bin ich allerdings mehr als positiv überrascht, denn beide Curries sind schön scharf und gerade richtig fettig und wirklich sehr lecker und auch ziemlich füllend. Wir haben uns allerdings bereits mit den Chutneys zu Beginn des Abends so sehr den Bauch vollgeschlagen, dass wir leider nicht alles aufessen können. Kann. Nicht. Mehr. Atmen. 

INDIA CLUB RESTAURANT
Behrenstraße 72 | Adlon Palais
10117 Berlin (Mitte)

Bahnhof: U Bahnhof Französische Straße

Preise
€€€€

Fleisch / Veggie / Vegan

Öffnungszeiten
Mo – So: 18:00 – 23:30 Uhr
Wir wurden vom India Club Berlin eingeladen. Foto Credits: IN SEARCH OF. Bitte benutzt die Fotos nicht, ohne vorher zu fragen. Merci.

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Dieser Artikel wurde verfasst von IN SEARCH OF on November 9, 2017