Unterwegs: Johannesdal in Südafrika

Es gibt Orte, die sind – und bitte entschuldigt die latent esoterische Wortwahl – magisch. Johannesdal in Stellenbosch ist so ein Ort. Stellenbosch ist eine Stadt ca. 50 Kilometer östlich von Kapstadt, Südafrika. In Stellenbosch gibt es viele Student*innen, viele Berge und noch viel mehr Wein. Kapstadt ist ja gerade der neue heiße Scheiß und wer eh gerade dort verweilt, sollte dringend einen mehrtägigen Ausflug in die umliegenden Städte oder Naturreservate planen. So wie Sophia, die war nämlich gerade 3 Wochen da und hat die tolle Ailine Liefeld besucht. Natürlich wird es noch einen ausführlichen Fress- und Spiel-Guide für Kapstadt geben, aber das dauert, denn 3 Wochen fressi und knipsi und spieli müssen erst einmal sortiert, ausgewertet und bearbeitet werden. Nun also Stellenbosch. Die Gegend rund um Stellenbosch kann man gut und gerne als atemberaubend beschreiben. Wer Berge und Wein mag, wird es hier lieben. Hier ist man mitten in der Natur. Also mitten drin. Das Haus liegt so versteckt, dass wir diverse Male an der Einfahrt vorbeigefahren sind. Beim Frühstück auf der riesigen Terrasse guckt man einfach mal entspannt auf eine 2 km x 2 km große Fototapete. Ist nur keine Fototapete, ist echt. Der Ausblick auf die Groot Drakenstein Berge ist so überwältigend, dass man heulen will. 

Das Johannesdal Haus wurde übrigens von Henri Comrie entworfen und von den beiden Besitzern Chris Willemse und Dané Erwee nach ihren ganz persönlichen Vorstellungen eingerichtet. Überall finden sich Fundstücke mit ganz viel Seele und dieser Vibe springt sofort über, wenn man das Haus betritt. Beim Betreten des Hauses bleibt einem erst einmal die Spucke weg und man braucht ca. 3 Stunden, bis man jede Ecke und jeden Winkel des Hauses erkundet hat. Es wirkt fast so, als würde man durch eine Galerie schlendern und nicht hier wohnen. Jede freie Stelle ist mit Blumen, weirden Objekten, Globen, Büchern oder Bildern ausgestattet. Auch gerne an Stellen, die man jetzt so nicht erwartet hätte. Die vier Zimmer sind unterschiedlich groß und alle sehr kreativ eingerichtet. Da ist die kleine Kuschelkammer, die über das wohl luxuriöseste Außenklo aller Zeiten verfügt. Oder das Kinderzimmer mit zwei Einzelbetten, ganz viel Spielzeug und einer abenteuerlichen Treppe, die zum Badezimmer führt. Im zweiten Stock liegen die beiden Hauptschlafzimmer, eines luxuriöser als das andere. Auch in den beiden großen Zimmern gibt es viele aufregende Dinge zu entdecken, wie die Metallwand, kleine Figürchen neben dem Bett oder ein sexy Kalender im Badezimmer. Wer schon immer mal den größten begehbaren Kleiderschrank der Welt sehen wollte, sollte nach Johannesdal kommen. 

Bei der Ankunft wird man von zwei gigantischen Doggen, Leila und Sebastian, begrüßt. Man sollte sich aber nicht davon einschüchtern lassen, dass die Tiere längere Beine haben als man selbst und einem bis zu den Augenbrauen reichen, sondern freundlich „Hallo“ sagen, denn die sind wirklich lieb. Leila guckt aber lieber mit etwas Abstand auf die Neuankömmlinge, Sebastian mag ganz gern gestreichelt werden. Überhaupt gibt es viele Tiere hier. Sophia hat sich besonders in Lucky verliebt, eine kleine quirlige Hundedame, die alle paar Stunden vorbeischneit, heftigst kuschelt und dann wieder abrauscht. Angeblich soll es auch drei Katzen geben, es wurde aber nur eine gesichtet, die zwar sehr zutraulich war, aber dringend ein Vollbad benötigte, weswegen sie liebevoll „Reudiger“ getauft wurde. Reudiger stromert den ganzen Tag durchs Unterholz, sammelt Zecken, Käfer und Kletten und legt sich danach gerne zu einem auf den Schoß. 

Was gibt es sonst noch zu sagen? Es gibt einen Salzwasserpool, der immer genau die richtige Temperatur hat #wegenSonne. Von der Wasserknappheit bekommt man hier nicht so viel mit, da die meisten Häuser über eigene Brunnen verfügen. Zwar herrscht Selbstversorgung, allerdings ist rund um die Uhr Housekeeping vor Ort, ähnlich wie in einem Hotel. Die Kühlschränke und die Speisekammer sind erstaunlich gut ausgestattet und jeden Morgen gibt es frisches Brot oder sogar Croissants. Mit einem Mietwagen kommt man von Kapstadt, Paarl, Franschhoek oder Stellenbosch super schnell nach Johannesdal, zur Not geht auch Uber, denn das kostet hier auch nicht viel. In der Umgebung gibt es ca. 43867364 Weingüter, die alle für einen relativ schmalen Taler Wine Tastings anbieten. Da darf man sich dann quasi durch das halbe Sortiment saufen. Im Haus liegt eine Broschüre aus, die Tipps zum Thema Einkauf und für gute Restaurants gibt, aber essen gehen ist fast billiger als selber kochen. Wir haben das Indochine Restaurant getestet, was schon eher im Fine Dining Bereich anzusiedeln ist. Das Essen war ganz gut, die veganen Vorspeisen kann man aber getrost auslassen, der Service war eine echte Zumutung, der Preis mit ca. 40 Euro pro Person aber unschlagbar. Vielleicht hatten wir auch Pech, jedenfalls haben wir an diesem Tag das erste Mal in unserem Leben kein Trinkgeld gegeben. 

Die Frage ist ja, kann man sich das leisten oder wird es für immer ein Traum bleiben, solch einen Ort zu besuchen? Privat kann man das Haus über Airbnb mieten. Es bietet Platz für 8 Personen und wenn man sich die Miete teilt, sind das für jede*n um die 55 Euro pro Nacht, wenn man eine Woche bleibt. Das ist, jetzt entschuldigt wieder die Ausdrucksweise, ultrageil. Wir kommen definitiv zurück. Versprochen. 

 

Foto Credits: Sophia Giesecke.

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Dieser Artikel wurde verfasst von Sophia on Februar 12, 2018