UNTERWEGS: SÜDTIROL BALANCE ROADTRIP

Seit geraumer Zeit gibt es Berge in Berlin. Also nicht wirklich, aber die halbe Stadt ist mit Südtirol Werbeplakaten gepflastert und reibt den missmutigen Berliner*innen unter die Nase, was sie nicht haben: Schöne Gegend und noch schönere Almhütten. Alles Lüge! Photoshop! Denkt sich die aschgraue Berliner*in und schleicht missmutig durch den toxischen Nieselregen gen Warschauer Brücke. Wir als Ostler sind ja sehr empfänglich für Außenwerbung und somit schon lange von Südtirol angefixt. Da wir uns momentan in der Gründung befinden, sind wir auch mehr als urlaubsreif. Ein einfacher Ausflug zum Baggersee reicht da lange nicht, wir brauchen die volle Erholung, das gestresste Hirn sucht nach Balance. Wie unfassbar praktisch, dass Südtirol eine ganze Batterie an Erlebnissen zusammengetragen hat, die sich ganz den Themen Gesundheit, Entspannung, Ausgleich und eben Balance verschrieben haben. Wir packten unsere Siebzigsachen, auf gen Südtirol! Da wir so viele Balance Erlebnisse und Orte wie möglich auschecken wollten, kam nur ein Roadtrip in Frage, und was sollen wir sagen, es war beinahe schon erschreckend schön. Photoshop? Pustekuchen! Das Paradies muss man in Südtirol nicht lange suchen, es wartet an jeder Ecke, hinter jedem Berg und an jedem See. Wir haben ungefähr 10.000 Fotos gemacht und konnten uns gar nicht entscheiden, welche wir zeigen wollen, da es wirklich schwer ist, in Südtirol ein hässliches Foto zu schießen. Am Ende unserer kleinen Reise dachten wir alle ernsthaft über Auswanderung nach. Wie toll wäre es bitte, irgendwo auf einem Berg in der eigenen Hütte abzuchillen, den ganzen Tag nur irgendwelche abgefahrenen Sachen mit Bergkräutern zu kochen und ab und zu mal eine Kuh zu streicheln? Sehr toll wäre das! 

 

Anreise
Südtirol liegt in Norditalien und bietet diverse Möglichkeiten der indirekten Anreise. Einfach hinfliegen ist nämlich nicht, das Erlebnis möchte beabenteuert werden und entsprechend ist auch der Weg. Am schnellsten ist wohl der Flug nach München und dann mit dem Auto über die halben Alpen düsen. Wir würden euch definitiv ein Mietauto ans Herz legen, da man so das Land einfach besser bereisen kann. Hier gibt es nämlich viel Natur und nicht so viel Infrastruktur. Wenn ihr nur ein Ziel habt und keine Rundreise anstrebt, so können wir auch die Anfahrt mit dem Zug empfehlen.

Die Tour

Zunächst ging es nach Meran, wo wir uns die volle Dröhnung Luxus gaben. Genauer gesagt ging es nach Hafling, das ist der Ort, aus dem die blonden Ponys kommen. Maria war schwer entzückt, denn die goldblonden Riesentiere waren früher ihre Lieblingspferde. Als waschechte Dorfkinder haben wir natürlich in unserer Jugend Reitunterricht genommen und diese Pferdemädchenwurzeln wird man nie wieder los. Von Hafling ging es ins Pustertal, genauer gesagt nach Sand in Taufers. Maria wollte unbedingt die Dolomiten sehen, also machten wir uns über einen kleinen Umweg über Prettau bereits am nächsten Tag auf den Weg nach Niederdorf. Sophia musste dann leider wieder zurück nach Berlin, für Maria und Kai ging es weiter nach Bozen. Sophia schickte aus der Ferne liebevolle Verwünschungen. 

 

Meran: Miramonti Boutique Hotel
Wer kennt sie nicht, die Fotos von unerhört schönen Lifestylebloggern, die sich in unfassbar schönen Infinity Pools räkeln. Genau das haben wir im Miramonti Boutique Hotel getan, denn in dem schnuckeligen Hotel gibt es einfach mal einen Salzwasserpool, in dem man direkt in die Südtiroler Berge kraulen kann. Haben wir getan, war mega toll. Besonders toll war es auch, auf der riesigen Terrasse bei riesiger Aussicht ein riesiges Glas Rotwein zu schlürfen. Im Spa lässt es sich ganz wunderbar chillen und saunieren und wir haben Kai nur mit sehr viel Mühe vom Frühstücksbuffet zerren können. Besonders das Dinner im Hotelrestaurant war außergewöhnlich gut. 

Bei Buchungen über Small Luxury Hotels of the World kosten Übernachtungen im Miramonti ab 200 € pro Nacht im Doppelzimmer (inkl. sehr gutem Frühstück).

Algund: Kräuterwanderung und Lunch
In Südtirol kann man so allerhand erleben. So viel, dass es unter Umständen sogar etwas überwältigend sein kann. Die Südtiroler*innen haben sich deswegen etwas ganz Besonderes einfallen lassen: In diesem Internet findet man eine Seite, auf der man nach Erlebnissen in Südtirol suchen kann: Südtirol Balance. Gefiltert werden kann nach Datum, Region und sogar nach Interessen. Wir haben uns für fast jeden Tag ein neues Erlebnis ausgesucht, von denen wir hier berichten möchten. Es versteht sich von selbst, dass wir fast ausschließlich kulinarische Erlebnisse erlebt haben, denn essen ist unser Hobby und ja irgendwie auch unserer Beruf.
Im Meraner Land kann man zwischen Palmen, Bergen und mediterranem Flair ganz besonders gut wandern, oder wie wir, flanieren. Mit dem gruseligsten Nostalgie-Sessellift der Welt ging es auf den Berg, es wird gemunkelt, dass Sophia vor lauter Höhenangst ein bisschen geweint hat, was sie aber vehement bestreitet. Auf dem Berg angekommen, sammelten wir mit Renate de Mario Gamper allerlei Kräuter, tranken Smoothies und streichelten Ziegen. Die gesammelten Kräuter wurden natürlich zu Aufstrich verarbeitet und aufgegessen. Es folgte ein weiteres unerträglich leckeres Mahl in der Sennerei Algund. 

 

Pustertal: Vitalpina Hotel Drumlerhof, Wasserschlacht und ein Käsemann
Nachdem wir dem Sessellift entstiegen, 100 Mal den Boden unter unseren Füßen geküsst und uns mit viel Tamtam von Renate verabschiedet hatten, mussten wir Meran verlassen. Wir fuhren ins Pustertal, hier ist alles ein bisschen rauer, es gibt gar keine Palmen so wie in Meran und ehrlich gesagt, fiel uns der Abschied vom Meraner Land etwas schwer. Aber das Pustertal ist ein Ort, der auf den zweiten Blick verzaubert. Wir nächtigten im wirklich schönen Drumlerhof, ein Hotel, das sich ganz dem Allgemeinwohl verschrieben hat. Faire Löhne, regionale Biolebensmittel und wenig Fleisch sind hier eine Selbstverständlichkeit. Wir bekamen Herzchen in den Augen und lauschten gespannt, nur Kai nicht, denn der war mal wieder mit essen beschäftigt. Nach einem geselligen Abend (wir haben Feuer gemacht!) und zwei Runden im Pool ging es am nächsten Morgen auf Erkundungs-Tour. Wir wanderten durch einen wunderschönen Wald und besichtigten die tollen Reinbach-Wasserfälle (runder Regenbogen!). War echt schön. Danach besuchten wir die Käserei Eggemoa, wo wir Kühe, Katzen und einen Käse-Sommelier streichelten. 

 

Prettau: Klimastollen und Wanderung
Was macht man, wenn man zwei Stunden Zeit hat und alles voller Gegend ist? Richtig, man wandert. Da wir an den Reinbach-Wasserfällen so ausgerastet sind, wollten wir unbedingt noch mehr Wasserfälle sehen. Wir fanden einen, Kai klaute Wasser und Sophia machte bei einem zügigen Aufstieg zügig schlapp. Merke: mehr Sport machen oder Kai endlich einen Tragegurt basteln. Nach der kleinen Wanderung machten wir uns auf den Weg zum Klimastollen. Das ist ein Berg, in den fährt man mit einer winzigen Bahn rein und da chillt man da zwei Stunden, trinkt Tee und liest die InStyle. Das hilft angeblich gegen Asthma, ist also mega krass gesund. Kai ist eingepennt, Maria fand es richtig gut und Sophia hat es irgendwie nicht gecheckt. Aber die Bahn war super! 

 

Niederdorf: Kochkurs Frühlingsküche
Auf so ziemlich jedem Berghang steht mindestens ein Hof. Diese Höfe sind sehr schön, mit so durchgehendem Balkon und einem gigantischen Holzstall nebendran. Wir wollten in so einen Hof, denn wir hatten sie bereits tagelang aus der Ferne bewundert und hielten es vor Neugierde kaum noch aus. Wir waren bereit! Auf dem Biohof Unterstein klappten uns dann auch erwartungsgemäß erst einmal die Kinnladen herunter. Der Hof war wirklich eine Wucht, wunderschön und genau so, wie man sich eben so einen Hof in Südtirol vorstellt. Maria Mairhofer ist die Bäuerin des Hofes und eine richtige Käuterfrau. Erst einmal gab es eine kleine Einführung, warum Nahrungsmittel nicht unbedingt Lebensmittel sind, und warum Wildkräuter viel besser sind, als gezüchtetes Gemüse. Uh ha. Beim Kochkurs ging’s dann wirklich richtig zur Sache, denn wir bekamen alle eine Schüssel in die Hand gedrückt und wurden auf die Weide vor dem Hof geschickt. Dort sammelten wir Brennesseln, Spitzwegerich, Giersch und, und, und. Aus den gesammelten Kräutern wurde später ein Menü gezaubert. Maria und Sophia wurden für eine Aufgabe eingeteilt, die passender nicht sein konnte: sie frittierten irgendwas in Bierteig. Das Essen war dann mit Abstand das beste der ganzen Reise (Eine Aussage, die wir im Laufe unserer Reise mehrmals wiederholen sollten. Das war jetzt aber das beste Essen der Reise! Nein das! Oh, das war ja noch besser!). Besonders Kai war ganz hin und weg. 

 

Dolomiten: Wandern, Berge und Wasser
Nach dem Essen soll man sich ja ein bisschen bewegen. Weil wir voll dynamisch und outdoorsy drauf waren, fuhren wir rauf auf die Berge und guckten uns die Dolomiten an. Es war genial. Es war wunderschön. Diesmal wurde auch nicht gequengelt. Die Dolomiten haben eine ganz besondere Struktur, sie sind rau und hoch und geben einem das Gefühl, jetzt aber wirklich in einem Gebirge zu sein. Erste Überlegungen wurden angestellt, Kai mit einer einsamen Bäuerin zu vermählen, damit wir alle dort bleiben können. Ein Veto von Maria bereiteten unseren Zukunftsplänen aber ein jähes Ende. Wer Berge guckt, muss auch Seen gucken. Wir checkten ganz kurz den Pragser Wildsee aus, weil der so schön auf Instagram passt, leider hatten gefühlt 500 andere Menschen die gleiche Idee. Nach den üblichen ich-pose-mal-eben-ganz-natürlich-vor-atemberaubender-Kulisse-Bilder suchten wir schnell wieder das Weite. 

 

Bozen: Ansitz Hotel Rungghof
Nachdem wir einige Tage ganz schön viel Natur gesehen haben, hat es uns zurück in die Teile Südtirols gezogen, in denen die Kuhdichte geringer als die Menschendichte ist: die pulsierenden Stadtzentren dieser Region wollten erkundet werden. Aus Niederdorf fuhren wir mit einem kurzen Zwischenstopp in Brixen (HÜBSCH!) nach Bozen (AUCH HÜBSCH!) in unser neues Hotel Rungghof, welches wie eine Cocktailkirsche mitten auf einem Weinberg gelegen ist und einen wunderbaren Blick über Bozen – Hauptstadt, Kulturzentrum und Nabel Südtirols – bietet. Bozen ist dank seiner eingekesselten Lage die heißeste Stadt Italiens, man möchte es kaum glauben. Auch sonst hat man hier das Gefühl, in Italien angekommen zu sein: auf der Straße wird hauptsächlich Italienisch gesprochen, ganz anders als in den kleinen Tälern, welche wir in den Tagen zuvor besucht haben. 

 

Bozen: Winzer und Speck
Bozen kann was! Umzingelt von weinbehangenen Bergen bekommt man hier alles: Natur, Stadt, Kultur, Altstadt und ein leises Remmidemmi, wenn man will. Der Aperitivo gehört hier abends zum guten Ton und der angesagteste Laden dafür ist „Fischbänke“ in der Altstadt, direkt hinterm Markt. Das Hotel Laurin soll dafür aber auch top sein. Danach könnt ihr im Vögele oder in den Franziskanerstuben richtig gut traditionell Südtiroler Futter futtern (Speck-essen ist in Südtirol Pflicht!). Auch in Bozen haben wir tolle Balance Erlebnisse erlebt. Wir durften mit einem Bio-Winzer Othmar Sanin barfuß durch seine wilden Weinkulturen mit buschigem Wildkräuterwuchs waten und haben von ihm auch gelernt, dass man Pesto sogar aus Brombeerblättern machen kann.

 

Um Bozen herum: Wandern und Zunerhof 
Da wir zuhause ja mitten in der Großstadt sind, beschlossen wir während unseres Aufenthalts in Bozen eher das ländliche Umland zu erkunden, als Bozen selbst. Hammer Plan, denn die Höfe und Landschaften sind hier einmalig schön. Wir haben pittoresk gelegene Dörflein mit 3 Häusern, Wollkühe, Ponys, Pferde, Menschen auf Pferden, ein Golfcart, welches einen Berg hinunter raste, Esel, sehr schmale Straßen, Winterskigebiete im Sommer angeguckt (Salser Alm) und dann auf einer Hütte oben in den Bergen zu schunkeliger Schunkelmusik der Kastelruther Spatzen (die kommen da her) ein Bier getrunken. Ganz klarer Höhepunkt war aber unser spontanes Abendessen auf den Zunerhof – welcher extra für uns aus Nettigkeit die Küche geöffnet hat und wir mit Meerschweinchenausblick und Minikirche im Rücken, den wilden Miniwollkühen und Eseln das wohl beste Essen unserer Reise zu uns nehmen dürften (diesmal wirklich das beste!!). #Tirolerspeckaufunserenhüften. Der Zunerhof bietet auch Übernachtungsmöglichkeiten und wird von uns ganz stark, vor Allem für Familien, empfohlen. 

Bozen: Auf den Spuren der Pflanzen und Blumendüfte
Das Wildkräuterthema ist in Südtirol ganz groß. Das hat einfache Gründe: 1. es gibt sie an jeder Ecke. 2. so weit oben auf einem Berg ist der nächste Arzt oder die nächste Ärztin gar nicht mal so schnell da. Darum gab es hier früher jede Menge „Kräuterfrauen“, die dann auch gerne mal auf dem Scheiterhaufen verbrannt, gevierteilt oder hinter Kutschen hergeschleift wurden. Diese Kräuterfrauen waren nämlich verdammt mächtig und so manchem Dorfboss ein Dorn im Auge. Die Lehre um die Wildkräuter ging mit der Hexenverfolgung fast verloren, wird aber von einigen Wenigen noch gehegt und gepflegt und gerade hier sitzt das Wissen noch sehr tief. Mit der Wirkweise von Pflanzen beschäftigte sich auch unser zweites Bozener Balance Erlebnis: Auf den Spuren der Pflanzen und Blumendüfte durften wir alles über ätherische Öle und die Wirkung und Herstellung von Hydrolaten lernen. Gerade für Maria, die gerade in letzter Zeit ein schrulliges Hobby entwickelt hat (eigene Naturkosmetik herstellen), ein total spannendes Thema und es wurde weit über die Seminar-Zeit hinaus mit dem unfassbar freundlichem Hanspeter Kager über seinen Duftgarten und die verschiedenen Wirkungsweisen von Pflanzenauszügen philosophiert.

 

Alle Südtirol Balance Erlebnisse findet ihr übrigens hier.

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Foto Credits: IN SEARCH OF. In freundlicher Zusammenarbeit mit IDM Südtirol

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Dieser Artikel wurde verfasst von IN SEARCH OF on Juni 22, 2017